01
Apr 11

Free lunch

Die Kataloge sind verschickt, die Frühjahrsware hängt in den Läden und viele Kunden fragen sich: „Warum in aller Welt sind Klamotten auf einmal bis zu 15 Prozent teurer geworden?“. Ich möchte versuchen, darauf eine Antwort zu geben. Denn Fakt ist: Auch unser Unternehmen kann den explodierenden Produktionskosten nicht mehr länger standhalten und ist gezwungen, die Preise anzuheben.

Seit geraumer Zeit sind die Beschaffungsmärkte für Textilien und Bekleidung außer Rand und Band. Ernteausfälle (z.B. durch die Flutkatastrophe in Pakistan), die wiedererstarkte Nachfrage nach der Krise, die anhaltende EURO-Schwäche, sowie Spekulationen am Rohstoffmarkt haben dafür gesorgt, dass sich die Baumwollpreise in den letzten 12 Monaten fast verdreifacht haben.

Rohstoffpreisentwicklung für Baumwolle in den letzten 10 Jahren

Rohstoffpreisentwicklung für Baumwolle in den letzten 10 Jahren. Quello: Mongabay.com

Hinzu kommt, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009/2010 zu einem massiven Abbau von Produktionskapazitäten in Asien geführt hat. Die davon betroffenen Arbeitskräfte sind in besser bezahlte Bereiche, wie z.B. in den Dienstleistungssektor, abgewandert. Ein Wiederaufbau scheint deshalb, zumindest kurzfristig, mehr als unwahrscheinlich. Zusammen mit dem chinesischen Wirtschaftswachstum führte dies in den letzten Monaten zu einem sprunghaften Anstieg der Produktionslohnkosten von 20% und mehr. Westliche Produktionsaufträge werden wieder zurück nach Osteuropa und Nordafrika vergeben, weshalb sich auch in diesen alt bekannten Beschaffungsregionen eine vergleichbare Kostenentwicklung andeutet. Der Rohölpreis von über 100 USD pro Barrel und die weiter ansteigenden Energie- und Transportkosten tun ihr Übriges dazu.

Während wir in Deutschland beim Kauf von Bekleidung die letzten Jahrzehnte vor allem die wirtschaftlichen Vorteile der Globalisierung genossen haben, kriegen wir durch die dadurch entstandene Abhängigkeit jetzt die Kehrseite der Medaille zu spüren. Oder um es wie Milton Friedman zu sagen: „There’s no such thing as a free lunch“.

Lieber ist mir persönlich allerdings das Sprichwort: „Auf jeden Regen folgt auch Sonnenschein“ – was ja bedeuten würde, dass wir irgendwann auch wieder mit Kapazitäts- und Preisanpassungen auf ein niedrigeres Niveau rechnen können – zumindest Mittelfristig.

Und sonst so?

A pro pos Sonnenschein… Am Samstag sollen es hier in Osnabrück bis zu 24 Grad werden. Das heißt für mich: Endlich die Liegestühle aus dem Keller holen, vom Staub befreien und ein entspanntes Wochenende mit der Familie auf der Terasse genießen. :-)


11
Mrz 11

Auf der Suche nach dem CLINIC DRESS-Gesicht

Was hat ein Model-Casting mit Berufsbekleidung zu tun? Gar nichts, wenn man dabei nur an dröge Kasacks denkt. Jede Menge, wenn man unter Berufsbekleidung funktionelle und zugleich modische Fashion für Profis versteht.

Wir haben es gewagt und uns vor ein paar Wochen auf ganz neues Terrain begeben: Im Zuge der Zusammenführung der Marken clinic+job-dress und DK Berufsmode zu unserer neuen Marke CLINIC DRESS, riefen wir auf allen Kanälen zum großen CLINIC DRESS Model-Casting auf. Dem Gewinner winkt als Hauptpreis ein professionelles Foto-Shooting für unseren ersten CLINIC DRESS-Katalog im April 2011 in Hamburg.

Der Zuspruch, den die Aktion mit über 300 Bewerbungen und über 42.000 Stimmen bislang erfahren hat, ist enorm – und das ganz ohne Heidi Klum. Der Erfolg zeigt mir wiedermal, welche Chancen sich für uns ergeben können, wenn wir mit unseren Kunden in eine direkte und persönlichere Kommunikation treten und Authentizität schaffen. Ein Ansporn für die Zukunft!

Übrigens: Das Casting ist noch nicht vorbei. Gerade erst hat unsere 9-köpfige Jury ihre Top15 nominiert, für die jeder noch bis zum 25. März 2011 abstimmen kann . Unter den Juroren befinden sich unter anderem die Fashion-Experten Wolf Lück aus Hamburg (Model-Agent von Wolf-Models), Siems Luckwaldt aus München (Journalist und Autor des Lifestyle-Blog-Magazins Nahtlos!) und Paolo Faussone (Fotodesigner aus Berlin).

Und sonst so?

Wer mal sehen will, wie und wo echte Fashion Trends gemacht werden, dem empfehle ich den Dokumentarfilm „The September Issue“ aus dem Jahr 2009. Grace Coddington, langjährige Kreativ-Direktorin von Vogue-Chefin Anna Wintour, ist hier mein ganz persönlicher Star. Frei nach Anna Wintour: „Anything else?“


07
Mrz 11

Richtigstellung

Das Osnabrücker Dreigestirn

Das Osnabrücker Dreigestirn (Quelle: ossensamstag.de)

Entgegen anders lautendenden Gerüchten, stellen wir klar, dass wir nicht für die Berufsbekleidung dieser ehrenwerten Herrschaften verantwortlich sind.  Wir wollen uns ja nicht mit fremden Federn schmücken!

Richtig dagegen ist, dass wir in Osnabrück bereits am Ossensamstag unseren Karnevalsumzug feierten und heute, am Rosenmontag, leider wieder ganz normal zur Arbeit müssen. In diesem Sinne wünsche ich allen Jeckinnen und Jecken ein dreifach donnerndes “Helau!”. Kommen Sie gut durch die närrische Zeit.


04
Mrz 11

Still alive

Erst die Jahresendralley, dann die Feiertage, ein wenig Urlaub und der Jahresabschluss: Die letzten Wochen vergingen wie im Flug. Sind drei Monate Blogpause entschuldbar? Nicht wirklich. Doch da ich als junger Mensch nie Tagebuch geführt habe und auch kein „Digital Native“ bin, vielleicht nachvollziehbar.

Was ist in der Zwischenzeit passiert? Nach 3 schmerzvollen Restrukturierungsjahren ist unserer Mannschaft ein toller Turnaround gelungen. Im Januar 2011 haben wir mit der Umsetzung der Neuausrichtung unseres Konzerns begonnen. Ziel der neuen, „glokalen“ Strategie ist lokal stärker zu werden, den Fokus noch gezielter an Kundenbedürfnissen auszurichten und dabei die Vorteile einer global agierenden Gruppe zu nutzen.

Alles schon einmal gehört? Wahrscheinlich. Aber für mich ist es toll zu erleben, wie eine Vision nicht  in einer Power-Point-Präsentation vergilbt, sondern in den Köpfen und Herzen der Kollegen Eingang findet. Wie  intensive und gut organisierte Kommunikation Begeisterung und Identifikation mit der Sache schafft. Wir stehen am Beginn einer spannenden Reise mit dem Ziel, für unsere Kunden die begehrteste Adresse  im Berufsbekleidungsmarkt zu werden.

Und sonst so?

Kurz vor dem Sturz ;-)

Neulich war ich mit Familie und Freunden das erste Mal seit vielen Jahren wieder Skifahren. Nach zwei Tagen auf den gemieteten Carving-Ski hat mich mein Übermut allerdings so verkanten lassen, dass meine Schulter heute noch schmerzt. Sonne und Schnee, die Berge und der Spaß mit den Kindern haben dafür aber satt entschädigt. Wir beraten jetzt schon, wo es nächsten Winter hingehen könnte.


29
Nov 10

Die extra Meile

Was heißt eigentlich „den Kunden in den Mittelpunkt der Organisation stellen“? Hört sich sehr theoretisch an, ist aber – so glaube ich – sehr praktisch, hemdsärmelig und beginnt natürlich direkt am Kunden. Neulich rief bei uns im Call Center eine Kundin an und wollte einen Artikel, der eigentlich seit 2009 bereits ausgelaufen war. Nach einigen Telefonaten, haben wir doch tatsächlich noch einen solchen Artikel in einer dunklen Ecke unseres Lagers unsere Filiale in Österreich gefunden und an die Kundin versandt. Aus kurzfristiger Kostensicht macht dies natürlich keinen Sinn, sondern Standardisierung und Prozesseffizienz sind die vermeintlichen Zauberworte. Unsere Frau Hobbs hingegen hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Kundin happy zu machen.

Danke für den Kaffee!

So kommt es vor, dass wir von einem Kunden auch schon mal ein Päckchen Kaffee geschickt bekommen.  Gibt es eine schönere Anerkennung als ein solches Feedback von einem glücklichen Kunden? Gibt es langfristig einen besseren und effizienteren Weg Kundenloyalität zu schaffen? Es beginnt im Kleinen und direkt am Kunden und deswegen nennen wir unser Call Center auch Kundenberatung.


24
Nov 10

Unternehmenszweck – es kann nur einen geben

Die Eingebung kam ihm auf dem Fahrrad. 1933 radelte der junge Henri eine kurvige  Vogesenstraße entlang. Er fuhr die Dörfer ab, um im Auftrag seiner Eltern, die einen Gemischtwarenladen führten, Jacken an den Mann zu bringen. Doch irgendetwas stimmte mit diesen Jacken nicht. Kürzlich erst hatte sich ein benachbarter Handwerker, ein Malermeister, beschwert, dass die Kittel für seinen Arbeitsalltag einfach nicht geeignet seien: „Zu unpraktisch, zu wenig funktional“ hatte der Nachbar gesagt. Das gab Henri zu denken, als er sich auf seinem Rad in die Kurven legte und mit einem Mal kam ihm eine Idee: Was wäre, wenn es für jede Handwerkergilde eine eigenes Modell gäbe, maßgeschneidert für die Bedürfnisse des Arbeitsalltags? Und was wäre, wenn er, Henri, diese Modelle herstellen würde.

Bragard: Berufsbekleidung seit 1933

Gedacht, getan: Henris erster Kunde war der unzufriedene Malermeister von nebenan und der war von seinem neuen Kittel  begeistert. Das ermutigte Henri, das Model zu vervielfältigen und bald schon belieferte er auf seinen Radtouren, die Malermeister der ganzen Gegend. Beflügelt von seinem Erfolg mit den Malern und angetrieben von dem Gedanken, sich voll und ganz in den Dienst seiner Kunden und ihrer Bedürfnisse zu stellen, knöpfte sich Henri nun eine Berufsgruppe nach der anderen vor und stattete sie mit funktionale Kleidung aus. Auf die Maler folgten die Metzger, dann die Köche. Mit seiner Idee gründete Henri Bragard nicht nur ein bis heute erfolgreiches Unternehmen, sondern legte auch den Grundstein für eine ganze Branche, die der Berufsbekleidung.

Den ultimativen Unternehmenszweck, nämlich Nutzen für unseren Kunden zu schaffen wie Henri Bragrad, hatte unser Unternehmen cjd profashion, seit einigen Jahren leider völlig aus den Augen verloren. Eine komfortable Nischenpositionierung hatte lange Zeit hinweg für gute Profite gesorgt und unsere Organisation satt und träge werden lassen. Langsame aber stetige Veränderungen von Tragegewohnheiten unserer Kunden und eine sich wandelnde Wettbewerbslandschaft, wurden von uns entweder nicht wahr- oder, viel schlimmer, nicht ernst genommen.  Ein passives Management und  einige schlechte Entscheidungen (frei nach dem Motto „Der Fisch stinkt zuerst am Kopf“ oder „Was nicht sein darf, kann nicht sein“)  taten ihr übriges. Die Organisation war dabei, langsam über die Klippe zu rutschen, ohne dass es überhaupt bemerkt  wurde. Und wenn das Messer erst einmal fällt, dann muss man beherzt zugreifen und das ist zumeist schmerzhaft.

In solchen Krisenzeiten, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre noch zusätzlich angeheizt wurden, ist es nicht gerade förderlich, wenn Arbeitnehmervertreter, Eigentümer, Banken und andere Stakeholder leidenschaftlich über die theoretische Frage streiten, ob nun z.B. der Shareholder Value oder die Schaffung von Arbeitsplätzen der primäre Unternehmenszweck sei und ob bzw. wie diese in Einklang zu bringen seien.

Die Frage ist deshalb so überflüssig, da der einzige Zweck unternehmerischen Wirkens, die Schaffung von Kundennutzen sein  muss. Denn nur wenn es gelingt, die Kunden für das Unternehmen zu gewinnen und zu begeistern, ist es möglich, dass die anderen nicht nur erstrebenswerten, sondern für das Unternehmen langfristig lebensnotwendigen Ziele, erreicht und harmonisiert werden können.

So offensichtlich diese Erkenntnis für viele auch ist, so einfach war es für uns, sich im Alltag davon ablenken zu lassen. Oder anders ausgedrückt, so anspruchsvoll war es für uns, den Kunden wieder in den Mittelpunkt all unseres organisatorischen Denkens und Schaffens zu  rücken. Deswegen schauen wir heute wieder ganz genau hin. So wie einst der Gründer unseres heutigen Schwesterunternehmens, Henri Bragard.


16
Nov 10

Casual Friday – Der Erste

Casual Friday (…) bezeichnet die in vielen Unternehmen praktizierte Gepflogenheit, freitags von der strengen Kleiderordnung abzurücken und statt der sonst üblichen Geschäftskleidung legere oder sportliche Kleidung zu tragen“, lehrt uns Wikipedia. Entstanden in den späten 1950er Jahren in großen Unternehmen in den USA, stellt der Casual Friday einen bewussten Bruch mit den gängigen Konventionen dar, mit dem Ziel, sich von den Zwängen des Büroalltags zu lösen, zumindest für einen Tag.

In den letzten 2 ½ Jahren haben wir in unserem Unternehmen mehr als nur eine Regel gebrochen. Gemeinsam haben wir eine fundamentale Restrukturierung durchlaufen, die manchmal schmerzhaft war. Was heute zählt ist, dass wir uns auf den Weg gemacht haben und diesen Weg wollen wir erfolgreich fortsetzen, unsere Strategie weiterentwickeln. Ich möchte an dieser Stelle künftig über diesen Weg berichten, darüber was es heißt unterwegs zu sein. Für mich persönlich und für das Unternehmen cjd profashion, für alle die hier arbeiten. Ich habe mir vorgenommen, dies offen und ehrlich zu tun. Ungeschützt. Ich werde hier über das schreiben, was mich, was uns bewegt. Ohne Schlips und Krawatte.

Bei der Frage was ist eigentlich wirklich Strategie, ist uns klar geworden, dass Strategie keine ppt-Präsentation und kein Beratungsprojekt ist. Strategie ist vielmehr ein Erkenntnisprozess, der zu einer gemeinsame Vision und daraus abgeleiteten Zielen führt, die von allen Mitarbeitern in der Organisation – vom Marketing bis zum Lager – so verinnerlicht werden, dass sie daran Entscheidungen und Handlungen selbständig ableiten können. Dies hat eben vor allem mit Kommunikation zu tun.

Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, einen Blog zu starten, um mit unseren Kunden, Lieferanten und Meinungsmachern unserer Branche in Kontakt zu treten und zu erarbeiten, wie wir mehr Nutzen für unsere Kunden schaffen können. Dabei wäre es klasse, wenn es gelänge, andere Treiber von Veränderungsprozessen in diesen Dialog mit einzuladen und Erfahrungen auszutauschen.

Mein alter Freund Alex würde mich an dieser Stelle wahrscheinlich fragen „wie naiv ist das denn?“. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wer von unseren Kunden und Interessensgruppen diesen Kommunikationskanal heute aktiv und regelmäßig nutzt. Woher auch, bin ja schließlich selbst Novize. Wenn mir aber am Ende dieser Blog zumindest soviel Zeit gäbe, regelmäßig gemeinsam mit meinen Kollegen über unsere Zukunft nachzudenken und uns auszutauschen, so hätte er seinen Zweck, wenn auch zugegebenermaßen einen therapeutischen, durchaus erfüllt.

M.