Die Kataloge sind verschickt, die Frühjahrsware hängt in den Läden und viele Kunden fragen sich: „Warum in aller Welt sind Klamotten auf einmal bis zu 15 Prozent teurer geworden?“. Ich möchte versuchen, darauf eine Antwort zu geben. Denn Fakt ist: Auch unser Unternehmen kann den explodierenden Produktionskosten nicht mehr länger standhalten und ist gezwungen, die Preise anzuheben.
Seit geraumer Zeit sind die Beschaffungsmärkte für Textilien und Bekleidung außer Rand und Band. Ernteausfälle (z.B. durch die Flutkatastrophe in Pakistan), die wiedererstarkte Nachfrage nach der Krise, die anhaltende EURO-Schwäche, sowie Spekulationen am Rohstoffmarkt haben dafür gesorgt, dass sich die Baumwollpreise in den letzten 12 Monaten fast verdreifacht haben.
Hinzu kommt, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009/2010 zu einem massiven Abbau von Produktionskapazitäten in Asien geführt hat. Die davon betroffenen Arbeitskräfte sind in besser bezahlte Bereiche, wie z.B. in den Dienstleistungssektor, abgewandert. Ein Wiederaufbau scheint deshalb, zumindest kurzfristig, mehr als unwahrscheinlich. Zusammen mit dem chinesischen Wirtschaftswachstum führte dies in den letzten Monaten zu einem sprunghaften Anstieg der Produktionslohnkosten von 20% und mehr. Westliche Produktionsaufträge werden wieder zurück nach Osteuropa und Nordafrika vergeben, weshalb sich auch in diesen alt bekannten Beschaffungsregionen eine vergleichbare Kostenentwicklung andeutet. Der Rohölpreis von über 100 USD pro Barrel und die weiter ansteigenden Energie- und Transportkosten tun ihr Übriges dazu.
Während wir in Deutschland beim Kauf von Bekleidung die letzten Jahrzehnte vor allem die wirtschaftlichen Vorteile der Globalisierung genossen haben, kriegen wir durch die dadurch entstandene Abhängigkeit jetzt die Kehrseite der Medaille zu spüren. Oder um es wie Milton Friedman zu sagen: „There’s no such thing as a free lunch“.
Lieber ist mir persönlich allerdings das Sprichwort: „Auf jeden Regen folgt auch Sonnenschein“ – was ja bedeuten würde, dass wir irgendwann auch wieder mit Kapazitäts- und Preisanpassungen auf ein niedrigeres Niveau rechnen können – zumindest Mittelfristig.
Und sonst so?
A pro pos Sonnenschein… Am Samstag sollen es hier in Osnabrück bis zu 24 Grad werden. Das heißt für mich: Endlich die Liegestühle aus dem Keller holen, vom Staub befreien und ein entspanntes Wochenende mit der Familie auf der Terasse genießen. :-)

