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24
Nov 10

Unternehmenszweck – es kann nur einen geben

Die Eingebung kam ihm auf dem Fahrrad. 1933 radelte der junge Henri eine kurvige  Vogesenstraße entlang. Er fuhr die Dörfer ab, um im Auftrag seiner Eltern, die einen Gemischtwarenladen führten, Jacken an den Mann zu bringen. Doch irgendetwas stimmte mit diesen Jacken nicht. Kürzlich erst hatte sich ein benachbarter Handwerker, ein Malermeister, beschwert, dass die Kittel für seinen Arbeitsalltag einfach nicht geeignet seien: „Zu unpraktisch, zu wenig funktional“ hatte der Nachbar gesagt. Das gab Henri zu denken, als er sich auf seinem Rad in die Kurven legte und mit einem Mal kam ihm eine Idee: Was wäre, wenn es für jede Handwerkergilde eine eigenes Modell gäbe, maßgeschneidert für die Bedürfnisse des Arbeitsalltags? Und was wäre, wenn er, Henri, diese Modelle herstellen würde.

Bragard: Berufsbekleidung seit 1933

Gedacht, getan: Henris erster Kunde war der unzufriedene Malermeister von nebenan und der war von seinem neuen Kittel  begeistert. Das ermutigte Henri, das Model zu vervielfältigen und bald schon belieferte er auf seinen Radtouren, die Malermeister der ganzen Gegend. Beflügelt von seinem Erfolg mit den Malern und angetrieben von dem Gedanken, sich voll und ganz in den Dienst seiner Kunden und ihrer Bedürfnisse zu stellen, knöpfte sich Henri nun eine Berufsgruppe nach der anderen vor und stattete sie mit funktionale Kleidung aus. Auf die Maler folgten die Metzger, dann die Köche. Mit seiner Idee gründete Henri Bragard nicht nur ein bis heute erfolgreiches Unternehmen, sondern legte auch den Grundstein für eine ganze Branche, die der Berufsbekleidung.

Den ultimativen Unternehmenszweck, nämlich Nutzen für unseren Kunden zu schaffen wie Henri Bragrad, hatte unser Unternehmen cjd profashion, seit einigen Jahren leider völlig aus den Augen verloren. Eine komfortable Nischenpositionierung hatte lange Zeit hinweg für gute Profite gesorgt und unsere Organisation satt und träge werden lassen. Langsame aber stetige Veränderungen von Tragegewohnheiten unserer Kunden und eine sich wandelnde Wettbewerbslandschaft, wurden von uns entweder nicht wahr- oder, viel schlimmer, nicht ernst genommen.  Ein passives Management und  einige schlechte Entscheidungen (frei nach dem Motto „Der Fisch stinkt zuerst am Kopf“ oder „Was nicht sein darf, kann nicht sein“)  taten ihr übriges. Die Organisation war dabei, langsam über die Klippe zu rutschen, ohne dass es überhaupt bemerkt  wurde. Und wenn das Messer erst einmal fällt, dann muss man beherzt zugreifen und das ist zumeist schmerzhaft.

In solchen Krisenzeiten, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre noch zusätzlich angeheizt wurden, ist es nicht gerade förderlich, wenn Arbeitnehmervertreter, Eigentümer, Banken und andere Stakeholder leidenschaftlich über die theoretische Frage streiten, ob nun z.B. der Shareholder Value oder die Schaffung von Arbeitsplätzen der primäre Unternehmenszweck sei und ob bzw. wie diese in Einklang zu bringen seien.

Die Frage ist deshalb so überflüssig, da der einzige Zweck unternehmerischen Wirkens, die Schaffung von Kundennutzen sein  muss. Denn nur wenn es gelingt, die Kunden für das Unternehmen zu gewinnen und zu begeistern, ist es möglich, dass die anderen nicht nur erstrebenswerten, sondern für das Unternehmen langfristig lebensnotwendigen Ziele, erreicht und harmonisiert werden können.

So offensichtlich diese Erkenntnis für viele auch ist, so einfach war es für uns, sich im Alltag davon ablenken zu lassen. Oder anders ausgedrückt, so anspruchsvoll war es für uns, den Kunden wieder in den Mittelpunkt all unseres organisatorischen Denkens und Schaffens zu  rücken. Deswegen schauen wir heute wieder ganz genau hin. So wie einst der Gründer unseres heutigen Schwesterunternehmens, Henri Bragard.